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Glasmachen

Zu Beginn der Arbeit mit Glas wurden verschiedene Techniken der manuellen Glasbearbeitung sowie ihre Grenzen und Potentiale für die Produktgestaltung praktisch kennengelernt. In Kursen und Hospitationen an verschiedenen Orten der Welt wurden Fähigkeiten in Pâte de Verre, Fusing, Slumping, Glasmachen und Coldworking erlangt. Das aus dem Verständnis von Material, Prozessschritten und Techniken resultie-rende Wissen ermöglichte eine materialgerechte Gestaltung und den bestmöglichen Einsatz jeder Technik im Produktionszyklus.

Zwischen der Aufnahme der Rohmasse und dem Abschlagen von der Pfeife können unzählige Arbeits-schritte liegen, die viele Stunden dauern können. Diese reichen von Aufnahmen, Überfängen, additiver Form- und Farbgebung, Roll-ups und Musterauf-nahme per Marbeln oder Stempeln zu Abnahmen, Ziehen, Schneiden, Stempeln, Prägen und Craquelee-ieren. Das Glas muss dabei immer in Bewegung und warm gehalten werden. Temperaturunterschiede, auch die Zugabe von anderen Materialien wie Farben, kann zu Spannungen oder unterschiedlichen Zustän-den im Glas führen und Springen, Abplatzen, Unkon-trollierbarkeit oder Brechen zur Folge haben.

Mehrschichtigkeit in Glas zu erforschen bietet einen besonderen Reiz, da das manuelle Glasmachen ein additives Formgebungsverfahren ist und der Werk-stoff sowohl transparent als auch opak in einem weiten Farbspektrum zu verarbeiten ist. Es existie-ren unzählige Möglichkeiten und Verfahren viel-schichtige, mehrwandige Volumenkörper zu erzeu-gen. Besonders spannend war es hierbei verschie-dene Techniken der Glasbearbeitung zu kombinieren.
Lange Zeit wurden unterschiedliche Herstellungswege und Nutzen anhand von Gefäßen untersucht. Einzelne Elemente wurden konvergierend und heterogen in Verbindung gebracht und teilweise, unter Entstehung eines Vakuums zwischen den Forminnenseiten, fest miteinander verbunden. Dieses kann hervorragend als Wärmeisolator genutzt werde, wodurch sich ein weiter Einsatzbereich in der Küche eröffnet.
Die Kombination zweier Volumenkörper erzeugt gestalterische Fragen und Möglichkeiten. Wie sind einzelne Gefäßteile beschaffen? Was passiert im Zwischenraum? Ist von Außen innere Funktion und Beschaffenheit sichtbar? Wie kommuniziert das Äußere eines Objekts mit dem Nutzer und bewahr-heitet sich diese Erwartungshaltung?

Doppelwandigkeit kann genutzt werden, um Prozesse sichtbar zu machen oder von der Sicht abzuschirmen. Die Glas inhärente Zweiseitigkeit und deren Zunahme durch jedes Element, das Spiel zwischen Durchsicht und visueller Begrenzung und der Interaktionsraum der visuellen Taktilität stellten einen großen Reiz dar.

Projekt: Glasmachen

Fotos: Virginia Binsch, Elisabeth Hammann

Praktiziert: Baruth, Berlin, Lauscha, Norfolk, Corning

Website: virginiabinsch.de