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Pâte de Verre

Particle Expressions

Pâte de Verre ist eine wundervolle, alte Technik der Glasbearbeitung, die für Designer noch kaum erschöpfte Gestaltungspotentiale birgt. Dabei bringt sie vielfache Herausforderungen mit sich.

 

Der genaue Ursprung von Pâte de Verre ist ungewiss. Er wird 3000 v.Chr. in Ägypten oder Mesopotamien vermutet. Im 19. Jahrhundert erreichte Pâte de Verre durch Künstler wie Henri Croi, Albert Demmouse und Francois Decorchemont Bekanntheit. Um den genauen Prozess der Technik wurde großes Still- schweigen bewahrt. In dieser Zeit erzeugten alle Künstler ihr eigenes Glas, bauten ihre eigenen Öfen und kreierten jeden Schritt des Prozesses selbst. Möglicherweise waren die technikinhärenten Heraus- forderungen so groß, dass sie einen Großteil zur Geheimhaltung der Technik beitrugen.

Seine Blütezeit hatte Pâte de Verre von den 1880er bis in die 1930er Jahre und damit nur eine Generation, bevor es mit dem Tod seiner Hauptvertreter vollständig verschwand. Erst 1970 lebte es im Rahmen der Studioglas Bewegung wieder auf. Die Geheimnisse der Technik mussten nach und nach wiederentdeckt und neu erfunden werden.

Die Technik

Wörtlich übersetzt bedeutet „pâte de verre“, „paste of glass“, Glaspaste. Technisch gesehen beschreibt es einen Prozess, bei dem puderförmiges oder granuliertes Glas mit Wasser und Binder in eine Form gegeben und im Ofen gebrannt wird, woraufhin die Glaspartikel zu einem Glaskörper verschmelzen.

Durch neue Herstellungsverfahren und Technologien ergeben sich zahlreiche neue Möglichkeiten und Eingriffspunkte im gesamten Prozess. Dies zu erforschen war besonderes Studieninteresse und mündete im Projekt digital handmade. Pâte de Verre – 3d Druck 3000 v.Chr.?

Der Reiz

Forschungsgebiete und gestalterische Zukunfts- potentiale bietet Pâte de Verre in seiner, in keiner anderen Glastechnik möglichen, Vielfalt an haptischen und optischen Qualitäten, die auch glas-ferne Oberflächen und Materialitäten wie von Schokolade, Bimsstein, Beton, Sand, Wasser, Zucker, Kristall, Erde, Ton, Kaffee oder Gewebe hervorbringen. Herausragende Eigenschaften in Dünnwandigkeit, Transluszenz und Fragilität werden ebenso wie Stabilität, Massivität und Solitidät erreicht. So vereint und vergegenständlicht die Technik die werkstoff- inhärenten Gegensätze des „supercooled liquid“. Formalen und texturellen Explorationsmöglichkeiten sind durch Eingriffsmöglichkeiten neuer Technologien kaum Grenzen gesetzt.

 

Die starke Bedeutung technikinhärenter und durch den Gestalter dezidierte Faktoren wie Glassorte, Partikelkörnung, Qualität des Formenbau, Feuchtigkeitsniveau, Brennkurve und Platzierung im Ofen ist dabei jedoch nie zu unterschätzen.

Projekt: Pâte de Verre

Materialexploration und Fotos: Virginia Binsch

Zum Projekt: digital handmade

Literatur:

Halem, Henry (2006): Glassnotes, A Reference For The Glass Artist, Version 4.0, Franklin Mills Press, Kent.

Cummings, Keith (2009): Contemporary Kiln-Formed Glass, A Wolrd Survey, A&C Black Publishers, London, University of Pennsylvania Press, Philadelphia.

Website: virginiabinsch.de 

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